Arbeiten in Australien: welchen Job du bekommst und was er zahlt
Echte Stundenlöhne 2026 nach Branche, die Jobs, die Backpacker wirklich bekommen, und der Weg von der Landung bis zur ersten Schicht
Arbeiten in Australien ist der Teil am Work and Travel, vor dem du am wenigsten Angst haben musst. Der Arbeitsmarkt für Backpacker ist groß, die Löhne sind nach deutschen Maßstäben hoch, und die meisten stehen zwei bis drei Wochen nach der Landung in ihrer ersten Schicht. Was vorher kaum jemand weiß: was ein bestimmter Job wirklich zahlt, warum dein Stundenlohn am Sonntag ein anderer ist als am Dienstag, und wie viel davon nach Steuern übrig bleibt. Darum geht es auf dieser Seite. Alle Lohnzahlen hier gelten seit dem 1. Juli 2026.
Was du 2026 pro Stunde verdienst
Australien hat keinen einheitlichen Backpacker-Lohn. Es hat einen gesetzlichen Mindestlohn, und darüber rund 120 Branchentarife, die fast alle mehr zahlen.
Die zweite Zahl ist deine. Working-Holiday-Jobs laufen fast immer als „casual employment“, also ohne feste Stundenzahl, ohne bezahlten Urlaub, ohne Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und mit einer Kündigungsfrist, die praktisch bei null liegt. Dafür schreibt das australische Arbeitsrecht 25 Prozent Aufschlag auf den Grundlohn vor. Dieser Aufschlag ist kein Entgegenkommen deines Chefs. Er ist Pflicht, und er steht dir vom ersten Tag an zu.
Über dem Mindestlohn liegen die Awards. Ein Award ist der landesweite Branchentarif, den die Fair Work Commission festlegt, und er regelt Grundlohn, Zuschläge, Pausen und Zulagen für alle in dieser Branche. Deutsche denken hier oft an einen Tarifvertrag, für den man in einer Gewerkschaft sein muss. So ist es nicht. Der Award gilt automatisch für jeden, der in der Branche arbeitet, egal ob Backpacker im dritten Monat oder Australier im dritten Jahrzehnt. Zum 1. Juli 2026 sind die Award-Mindestlöhne um 4,75 Prozent gestiegen, der gesetzliche Mindestlohn um knapp 6 Prozent.
Was das konkret heißt, steht in der Tabelle. Alle Casual-Werte enthalten die 25 Prozent bereits.
| Branche | Grundlohn/Std. | Casual/Std. | Award und Stufe |
|---|---|---|---|
| Gastronomie | AU$26,44 | AU$33,05 | Hospitality MA000009, Level 1 |
| Restaurant | AU$26,44 | AU$33,05 | Restaurant MA000119, Level 1 |
| Fast Food | AU$27,81 | AU$34,76 | Fast Food MA000003, Level 1 |
| Einzelhandel | AU$27,81 | AU$34,76 | General Retail MA000004, Level 1 |
| Ernte und Farm | AU$25,74 | AU$32,18 | Horticulture MA000028, Level 1 |
| Reinigung | AU$27,08 | AU$33,85 | Cleaning Services MA000022, Level 1 |
| Bau, Hilfskraft | AU$28,44 | AU$35,55 | Building and Construction MA000020, CW1 |
| Kinderbetreuung | AU$28,81 | AU$36,01 | Children’s Services MA000120, Level 1 |
| Altenpflege, Betreuung | AU$32,61 | AU$40,76 | Aged Care MA000018, Direct Care L1 |
| Altenpflege, Küche | AU$27,77 | AU$34,71 | Aged Care MA000018, General L1 |
Zwei Dinge fallen daran auf. Erstens: Der Abstand zwischen der bestbezahlten und der schlechtestbezahlten Einstiegsbranche beträgt rund achteinhalb Dollar die Stunde, also gut ein Viertel. Über ein Jahr Vollzeit sind das etwa 17.000 Dollar. Zweitens: Die Ernte, um die sich beim Work and Travel am meisten dreht, zahlt am wenigsten. Sie steht trotzdem auf der Liste, weil sie die 88 Tage fürs zweite Visumjahr bringt, und das ist für viele mehr wert als der Stundenlohn.
Der Sonntag ist der eigentliche Trick
Die Zahlen oben gelten für eine normale Schicht von Montag bis Freitag. Abends, am Wochenende und an Feiertagen kommen Zuschläge dazu, die im Award „penalty rates“ heißen. Sie sind der Grund, warum in australischen Cafés um die Sonntagsschicht gestritten wird und nicht darum, wer sie abgeben darf.
| Schicht | Satz vom Grundlohn | Als Casual/Std. |
|---|---|---|
| Montag bis Freitag | 125 % | AU$33,05 |
| Samstag | 150 % | AU$39,66 |
| Sonntag | 175 % | AU$46,27 |
| Feiertag | 250 % | AU$66,10 |
Das Beispiel ist Level 1 im Hospitality Award, also die Stufe, auf der du als Kellner oder Barkeeper ohne australische Erfahrung anfängst. Der Casual-Aufschlag steckt in diesen Prozentsätzen schon drin, du rechnest ihn also nicht noch einmal obendrauf. Im Einzelhandel liegen die Sätze bei denselben 150, 175 und 250 Prozent, nur auf einem höheren Grundlohn, und dort gilt der Abendzuschlag schon ab 18 Uhr. Der Gastro-Award zahlt für späte Stunden dagegen einen festen Betrag pro Stunde statt eines Prozentsatzes.
Eine einzige Sonntagsschicht von acht Stunden bringt dir rund 106 Dollar mehr als dieselbe Schicht am Dienstag. Wer im ersten Job Wochenenden nimmt, verdient bei gleicher Stundenzahl spürbar mehr als jemand, der auf die bequemen Frühschichten wartet. Das ist der wichtigste Hebel beim Verdienst in Australien, und er kostet dich nichts außer Samstagabenden.
Feiertage sind der Sonderfall. Australien hat pro Bundesstaat eigene, und einige davon kennt in Deutschland niemand. Fast ganz Victoria hat frei für den Melbourne Cup, ein Pferderennen, und noch einmal am Freitag vor dem Finale der Football-Liga AFL. Rund um Brisbane gibt es einen Feiertag für die Landwirtschaftsmesse Royal Queensland Show. An diesen Tagen liegt der Satz bei 250 Prozent. Es lohnt sich, den Feiertagskalender deines Bundesstaats zu kennen, bevor der Dienstplan geschrieben wird.
Stücklohn auf der Farm
Viel Erntearbeit wird nicht pro Stunde bezahlt, sondern pro Kiste, pro Eimer oder pro Kilo. Das erlaubt der Horticulture Award, solange zwei Regeln eingehalten werden. Der Satz muss so angesetzt sein, dass ein geübter Pflücker, also jemand mit mindestens 76 Stunden in genau dieser Tätigkeit, 15 Prozent mehr verdient als den Stundenlohn des Awards. Und für jede gearbeitete Stunde ist dir der Stundenlohn garantiert, egal wie langsam der Tag lief oder wie dünn die Ernte war. Reichen die Kisten dafür nicht, legt der Arbeitgeber die Differenz drauf.
Stücklohn kann sich also lohnen, sobald du schnell bist, und als Casual darf er dich nie unter AU$32,18 pro Stunde drücken. Lass dir vor dem ersten Tag eine schriftliche Stücklohnvereinbarung geben, in der der Satz pro Einheit steht und wie gemessen wird. Genau dieses Dokument nennt Home Affairs als Nachweis für die 88 Tage, es zählt also doppelt. Schreib dir außerdem selbst auf, wann du angefangen und aufgehört hast. Die Zahl der Kisten verrät nicht, wie lang der Tag war.
Alle Löhne auf dieser Seite sind die Award-Mindestsätze für erwachsene Beschäftigte ab der ersten vollen Lohnperiode nach dem 1. Juli 2026, geprüft am 4. September 2026. Sie sind Untergrenzen, keine Durchschnitte: In Sydney und Melbourne zahlen viele Betriebe darüber, und ein Job mit Qualifikation liegt ohnehin auf einer höheren Stufe. Deinen genauen Satz rechnest du kostenlos mit dem Pay Calculator der australischen Arbeitsaufsicht Fair Work Ombudsman aus. Award, Stufe und Bundesstaat eingeben, fertig.
Vom Stundenlohn zu dem, was auf dem Konto landet
Backpacker werden in Australien nach einem eigenen Steuertarif besteuert. Er ist einfach, aber er hat einen Haken.
Als Inhaber eines 417er- oder 462er-Visums giltst du steuerlich als „working holiday maker“, und dafür gibt es eine eigene Tabelle. Der große Unterschied zu Deutschland: Es gibt keinen Grundfreibetrag. Besteuert wird ab dem ersten Dollar.
| bis AU$45.000 | 15 % |
|---|---|
| AU$45.001 bis AU$135.000 | 30 % |
| AU$135.001 bis AU$190.000 | 37 % |
| über AU$190.000 | 45 % |
Praktisch bleiben fast alle Work-and-Traveller unter 45.000 Dollar im Steuerjahr und zahlen damit pauschal 15 Prozent. Das australische Steuerjahr läuft vom 1. Juli bis zum 30. Juni. Wer im Januar ankommt, verteilt sein Jahreseinkommen also auf zwei Steuerjahre und bleibt fast automatisch unter der Grenze.
Der Haken ist die Steuernummer. Ohne Tax File Number behält dein Arbeitgeber 45 Prozent ein, und zwar von der ersten Schicht an. Das Geld ist nicht weg, du holst es dir mit der Steuererklärung zurück. Aber du wartest bis nach dem 30. Juni darauf, und in der Zwischenzeit fehlt fast die Hälfte deines Lohns. Wie du die TFN in etwa zwanzig Minuten online beantragst, steht in unserem TFN- und IRD-Guide.
Gehen auf deiner Lohnabrechnung 30 statt 15 Prozent ab, liegt es am Arbeitgeber und nicht an der Tabelle. Die 15 Prozent gelten nur bei Arbeitgebern, die beim ATO als Arbeitgeber von Working Holiday Makern registriert sind. Wer das nicht ist, muss von jedem Dollar 30 Prozent einbehalten und riskiert dafür eine Strafe. Sprich ihn darauf an. Die Differenz bekommst du mit der Steuererklärung zurück, aber bis dahin fehlen dir jede Woche 15 Prozent.
Die Superannuation ist die australische Rentenversicherung, und sie läuft zusätzlich zum Lohn. Der Satz liegt seit dem 1. Juli 2025 bei 12 Prozent und bleibt 2026/27 dort. Seit dem 1. Juli 2026 muss dein Arbeitgeber sie an jedem Zahltag überweisen statt nur einmal im Quartal. Für dich heißt das vor allem eines: Auf deiner Lohnabrechnung steht der Betrag jetzt jede Woche, und du siehst sofort, wenn er fehlt. Fehlt er, ist das ATO zuständig. Der Fair Work Ombudsman kümmert sich um Lohn und Arbeitsbedingungen, schreibt aber selbst, dass er bei nicht gezahlter Superannuation nicht helfen kann.
Wenn du Australien endgültig verlässt, kannst du dir die Superannuation auszahlen lassen. Ehrlich gesagt bleibt davon weniger übrig, als die meisten hoffen: Bei Working-Holiday-Visa hält die Steuerbehörde 65 Prozent ein. Von AU$3.000 auf dem Rentenkonto kommen also rund AU$1.050 bei dir an. Der Antrag lohnt sich trotzdem, denn stellen wird ihn sonst niemand für dich. Wie der Antrag läuft und was du an Unterlagen brauchst, steht in unserem Guide zu Super und Steuerrückerstattung.
Bleibt die Frage, wohin das Geld fließt. Dein Lohn braucht ein lokales australisches Konto, und das sollte in der ersten Woche stehen. Was dieses Konto nicht günstig kann, ist Geld zwischen Währungen hin- und herschieben, egal in welche Richtung.
Gesponsert von Wise. Es ersetzt nicht das lokale Konto, auf das dein Lohn geht. Es übernimmt die andere Richtung: Geld von zu Hause zum Mittelkurs rüberholen, um die Wochen bis zum ersten Gehalt zu überbrücken, und später das Verdiente zurückschicken. Wenn du über dieses Banner ein Konto eröffnest, erhalten wir eventuell eine kleine Provision, ohne dass sich der Preis für dich ändert. Siehe unsere Affiliate-Offenlegung.
Die acht Branchen, die Backpacker einstellen
Nach Branche filtern für Bezahlung, die besten Regionen und die Frage, ob die Arbeit für dein zweites Visumjahr zählt.
Gastronomie
VisumsfreundlichDer schnellste Weg zum ersten Job und der mit Abstand größte Arbeitsmarkt für Backpacker. Ketten und Pub-Franchises sind dabei ein Glücksfall, weil du die Filiale wechseln kannst, während du die Küste hochfährst. Zum Ausschenken brauchst du eine RSA, und zwar vorher.
Farmarbeit und Ernte
Zählt für die 88 TageAustraliens „Harvest Trail“ läuft in jedem Monat des Jahres irgendwo im Land. Hier sammeln die meisten ihre 88 Tage fürs zweite Visumjahr. Was wann und wo geerntet wird, steht in unserem Erntekalender.
Bau
VisumsfreundlichDer bestbezahlte Einstiegsjob ohne Ausbildung, und einer der wenigen, in dem sich eine deutsche Handwerksausbildung sofort auszahlt. Auf die meisten Baustellen kommst du nur mit White Card, der allgemeinen Sicherheitseinweisung. Ein Tageskurs, und die Karte gilt in jedem Bundesstaat.
Tourismus
VisumsfreundlichVon der Deckhand auf einem Segelboot bis zur Rezeption auf einer Outback-Station. Die Extras sind echt: kostenlose Touren, Tauchgänge, manchmal ein Bett. Sie kommen zum Award-Lohn dazu, nie an seiner Stelle, also lass dir den Lohn schriftlich geben. Tourismusarbeit im Norden und in abgelegenen Regionen zählt außerdem fürs zweite Jahr.
Einzelhandel
VisumsfreundlichDer Saisoneinzelhandel zieht ab November an und läuft bis zu den Boxing-Day-Sales durch. Gutes Timing, wenn du zum Südsommer landest. Rechne mit einem ruhigeren Dienstplan als in der Gastronomie und meist mit weniger Stunden.
Reinigung
VisumsfreundlichDer unterschätzte Job auf dieser Liste. Er braucht kein Zertifikat, kaum Englisch und stellt oft innerhalb von Tagen ein. Viele Hostels tauschen Reinigungsstunden gegen ein Bett, was legal heikel sein kann. Bestehe auf einer Lohnabrechnung, wenn du Stunden arbeitest.
Kinderbetreuung
BegrenztOhne Working with Children Check läuft gar nichts, und für eine feste Stelle in einer Kita brauchst du eine anerkannte Qualifikation. Informelle Au-pair-Arbeit ist leichter zu bekommen, wird aber häufig unter Award bezahlt und ist damit schlicht illegal.
Pflege
BegrenztDer bestbezahlte Job auf dieser Seite, und der mit der höchsten Hürde. Unterstützende Tätigkeiten in der Altenpflege sind für Working-Holiday-Reisende offener als klinische Arbeit, weil überall Personal fehlt. Ein Certificate III in Individual Support öffnet fast alle Türen.
Farmarbeit und Bau sind die beiden körperlich härtesten Jobarten auf dieser Seite, und eine günstige Reiseversicherung deckt beides oft nicht ab. Darum geht es im nächsten Abschnitt.
Versicherung für die Jobs auf dieser Seite
Australien schreibt sie nicht vor. Die Arbeit ist der Grund, sie trotzdem abzuschließen.
Eine Versicherung ist keine Bedingung für das 417er- oder das 462er-Visum, und am Flughafen fragt niemand danach. Das ist ein echter Unterschied zu Neuseeland, und deshalb kommen viele ohne an.
Für Deutsche ist das ein Risiko. Australien hat Abkommen über die gegenseitige Gesundheitsversorgung mit genau elf Ländern: Belgien, Finnland, Irland, Italien, Malta, den Niederlanden, Neuseeland, Norwegen, Slowenien, Schweden und dem Vereinigten Königreich. Deutschland, Österreich und die Schweiz gehören nicht dazu. Ein Krankenwagen und eine Nacht im Krankenhaus kommen bei dir also als Rechnung an. Das deutsch-australische Sozialversicherungsabkommen regelt Rente und Arbeitslosenversicherung, nicht die Krankenversorgung.
Der Job selbst ist getrennt davon abgesichert. Nach australischem Recht muss jeder Arbeitgeber eine Versicherung für Verletzungen und Krankheiten durch die Arbeit haben, die „workers’ compensation“, und sie gilt für dich als Angestellten. Sie endet allerdings mit der Schicht. Die Wanderung am Wochenende, der Sturz mit dem Roller, der Blinddarm, der sich einen Dienstag aussucht: Nichts davon ist ein Arbeitsunfall. Und wer sich zu einer ABN hat überreden lassen, gilt womöglich gar nicht als Angestellter.
Du versicherst also vor allem alles außerhalb der Arbeit, und der Haken steckt im Kleingedruckten. Viele günstige Reiseversicherungen schließen körperliche Arbeit ganz aus. Manche, die sie einschließen, nehmen Maschinen oder Arbeit in der Höhe trotzdem heraus. Lies die Bedingungen gegen den Job, den du wirklich antrittst, nicht die Zusammenfassung auf der Verkaufsseite.
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Die Police, die wir wieder kaufen würden. Ein Monatsabo ohne festes Enddatum: Du kannst es unterwegs abschließen und kündigen, sobald du nach Hause fliegst, was zu einem Jahr passt, aus dem vielleicht zwei werden. Medizinisches Limit von $250.000, und die meisten Abenteueraktivitäten sind drin. Prüf die Bedingungen für die konkrete Farm- oder Baustellenarbeit, bevor du dich darauf verlässt.
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Welchen Job bekommst du realistisch?
Die ehrliche Antwort hängt an drei Dingen, und dein Lebenslauf ist keines davon.
Dein Englisch entscheidet, ob du nach vorne oder nach hinten kommst. In der Gastronomie verläuft die Trennlinie zwischen Gästekontakt und Küche. Wer flüssig plaudern kann, steht an der Bar oder im Service und verdient an Trinkgeld mit. Wer sich unsicher fühlt, fängt beim Abwasch, in der Vorbereitung oder als Runner an. Beides zahlt denselben Award, aber der zweite Weg ist der ruhigere Einstieg, und nach ein paar Wochen wechseln viele nach vorne. Schulenglisch reicht dafür völlig aus. Was nicht reicht, ist so zu tun, als hättest du alles verstanden.
Der Zeitpunkt deiner Ankunft ist wichtiger als deine Qualifikation. Zwischen Oktober und Februar ist Hochsaison an der Ostküste, Weihnachten und die Sommerferien fallen zusammen, und Betriebe stellen in Wellen ein. Februar und März sind die zähesten Monate: Die Saison ist vorbei, die Sommerjobs sind wieder frei, und der Wettbewerb ist am höchsten. Wer in dieser Zeit landet, plant besser zwei bis vier Wochen Puffer und Geld dafür ein.
Die Stadt bestimmt, wie lange du suchst. Sydney und Melbourne haben die meisten Stellen und die meisten Bewerber. In kleineren Küstenorten und in den Erntegebieten kehrt sich das um: weniger Anzeigen, aber auch deutlich weniger Konkurrenz, und oft ein Arbeitgeber, der jemanden für morgen sucht. Wenn dir eine Stadt egal ist, ist das dein größter Vorteil. Welche zu dir passt, findest du in ein paar Minuten mit unserem Stadt-Quiz für Australien heraus.
Und der Punkt, den niemand gerne hört: Dein erster Job in Australien ist fast nie der Job, den du dir vorgestellt hast. Er ist der, der zuerst Ja gesagt hat. Das ist kein Rückschritt. Eine australische Referenz und ein paar Lohnabrechnungen sind die Währung, mit der du den zweiten Job bekommst, und der ist dann meistens der bessere.
Was vor der ersten Bewerbung erledigt sein muss
Fünf Dinge. Drei davon kosten dich einen Nachmittag, zwei kannst du schon von Deutschland aus anstoßen.
Tax File Number, am Tag der Ankunft. Der Antrag läuft online bei der ATO, dauert rund zwanzig Minuten und ist kostenlos. Du brauchst dafür eine australische Postadresse, eine australische Handynummer und ein gültiges Arbeitsvisum, und du musst bereits im Land sein. Der Brief kommt innerhalb von 28 Tagen. Bis dahin arbeiten darfst du, du zahlst nur mehr Steuern. Alle Schritte stehen im TFN- und IRD-Guide.
Australisches Bankkonto. Ohne geht keine Lohnzahlung, und niemand überweist auf ein deutsches Konto. Die „Big Four“ (Commonwealth, Westpac, NAB, ANZ) sind Standard, und bei allen vier kannst du den Antrag schon von Deutschland aus starten. Die meisten wollen dich aber in den ersten Wochen mit dem Pass in einer Filiale sehen. Digitalbanken wie Up erledigen alles in der App. Was du dafür brauchst, steht im Banking-Guide.
RSA, wenn du Alkohol ausschenken willst. Ohne diesen Schein stellt dich keine Bar und kein Pub ein, und in vielen Restaurants ebenfalls nicht. Online kostet er in den meisten Bundesstaaten etwa AU$24 bis 45, in Victoria AU$40 bis 80 und in NSW AU$45 bis 90, weil dort die Photo Card dazukommt. Er gilt nicht automatisch bundesweit. Welches Format dein Bundesstaat verlangt, steht in unserem RSA- und RCG-Guide.
White Card, wenn du auf den Bau willst. Die allgemeine Baustelleneinweisung ist Pflicht, bevor du eine Baustelle überhaupt betreten darfst. Der Kurs dauert einen Tag, und die Karte gilt in jedem Bundesstaat und Territorium. Ein Haken für alle, die sie vor Jahren gemacht haben: Wer länger als zwei Jahre nicht auf dem Bau gearbeitet hat, braucht eine neue. Mach sie, bevor du dich bewirbst. Ein Polier wartet keine Woche darauf.
Ein australischer Lebenslauf, ausgedruckt. Eine Seite, kein Foto, kein Geburtsdatum, keine deutschen Noten. Dafür ganz oben: Visumstyp, Verfügbarkeit und wie lange du bleibst. Zwanzig Ausdrucke im Rucksack sind in der Gastronomie mehr wert als hundert Online-Bewerbungen. Die vollständige Umstellung erklärt unser Lebenslauf-Guide für Australien und Neuseeland.
Wo du wirklich Jobs findest
Sechs Kanäle, sortiert danach, wie schnell sie in einer echten Schicht enden.
Die Jobsuche in Australien funktioniert anders als in Deutschland, und das ist der häufigste Grund, warum die ersten zwei Wochen zäh laufen. Wer nur Online-Bewerbungen verschickt und wartet, wartet lange. Wer in eine Bar spaziert und fragt, hat oft am nächsten Tag eine Probeschicht. Beides hat seinen Platz, aber nicht in derselben Reihenfolge, die du aus Deutschland kennst.
Persönlich vorbeigehen, zwischen 14 und 16 Uhr. Der mit Abstand schnellste Weg in einen Gastro- oder Einzelhandelsjob. Zwischen Mittags- und Abendgeschäft ist der Manager da und hat Zeit. Nimm einen ausgedruckten Lebenslauf mit, frag nach der Person, die den Dienstplan macht, und lass den Lebenslauf nicht einfach beim Kellner liegen. Zehn Läden an einem Nachmittag sind realistisch, und in einer guten Woche kommen daraus zwei bis drei Rückmeldungen.
Seek und Indeed für alles mit Vertrag. Die beiden großen Jobbörsen des Landes. Hier stehen die Stellen, bei denen es sich lohnt, ein Anschreiben zu formulieren: Büro, Lager, Pflege, längere Verträge, Agenturen. Filtere auf „casual“ und setze dir einen täglichen Alarm für deine Stadt. In der Gastronomie ist Seek dagegen selten der schnellste Weg, weil viele Betriebe dort gar nicht erst ausschreiben.
Jora und der Backpacker Job Board für kurzfristiges. Jora sammelt Anzeigen aus dem ganzen Netz ein, auch aus kleinen lokalen Quellen, die es nie auf Seek schaffen. Der Backpacker Job Board ist seit Jahren die etablierte Adresse für Farm-, Hostel- und Regionaljobs. Beide sind gut für ein breites Netz und schlecht darin, dir zu sagen, wie seriös ein Angebot ist.
Workforce Australia, die Jobbörse der Regierung. Du kannst sie ohne Konto durchsuchen. Eine Suche nach „fruit picker“ ergab am 27. September 2026 gut 600 Anzeigen im ganzen Land. Früher gab es dazu eine kostenlose Hotline der Regierung für Erntejobs, den Harvest Trail Service. Sie wurde zum 30. Juni 2024 eingestellt, und ältere Guides drucken die Nummer immer noch ab. In welchem Monat wo geerntet wird, steht in unserem Erntekalender.
Facebook-Gruppen, mit Vorsicht. Such nach „Australia backpackers“, „Backpacker Jobs in [Stadt]“ oder dem Namen deines Erntegebiets. Es geht schnell und es ist wilder Westen zugleich. Die Regel, die dich schützt: Zahl niemals im Voraus für einen Job, für eine Unterkunft, die an einen Job gekoppelt ist, oder für die Vermittlung selbst. Seriöse Arbeitgeber verlangen kein Geld von dir.
Das Hostel, in dem du wohnst. Am Schwarzen Brett hängen Jobs, die es nie ins Internet schaffen, und die Rezeption kennt die Betriebe, die gerade suchen. In Erntegebieten sind „Working Hostels“ oft direkt an Farmen angebunden. Frag dort nach, wie viele Tage Arbeit pro Woche wirklich zustande kommen, bevor du eine Woche im Voraus bezahlst.
Wo du wohnst, während du suchst
Miete dich in der ersten Woche nicht für Monate ein. Du weißt noch nicht, in welchem Viertel die Jobs sind, und auch nicht, ob sie überhaupt in dieser Stadt sind. Buch zwei, drei Nächte vor dem Abflug und such dir etwas Längeres, wenn du dich umgesehen hast. Agoda zeigt Hostels, Motels und Hotels in einer Suche. So vergleichst du für die ersten Nächte das Bett im Schlafsaal direkt mit einem günstigen Privatzimmer. Willst du in einen Ernteort, lies vorher noch einmal den Punkt zu den Working Hostels oben, bevor du irgendetwas wochenweise buchst.
Der Agoda-Link oben ist ein Affiliate-Link. Wir erhalten eventuell eine kleine Provision ohne Mehrkosten für dich. Details in unserer Affiliate-Offenlegung.
Überlegst du einen Regional- oder Farmjob alleine? Wie du einen Arbeitgeber vorab prüfst und was an abgelegenen Arbeitsorten zu beachten ist, steht in unserem Guide zur Sicherheit für Alleinreisende.
Welche Banking-, Transport- und Sicherheits-Apps vor der ersten Schicht eingerichtet sein sollten, steht in unserem Guide zu Apps und Websites.
Regionalarbeit und die 88 Tage
Drei Monate die richtige Arbeit an der richtigen Postleitzahl bringen dir ein zweites Jahr. Beim Zählen sind die Regeln strenger, als die meisten denken.
Ein Working-Holiday-Visum läuft zwölf Monate. Für ein zweites brauchst du 88 Kalendertage „specified work“, erledigt, solange du das erste hattest. Für ein drittes Jahr sind es 179 Tage auf dem zweiten Visum. Gemeint sind bestimmte Branchen an bestimmten Postleitzahlen. Beim 417er sind das Pflanzen- und Tierzucht, also fast jede Farmarbeit, dazu Fischerei und Perlenzucht, Forstwirtschaft, Bergbau und Bau in Regional Australia. Außerdem zählen Tourismus und Gastronomie im Norden und in abgelegenen Gebieten sowie Wiederaufbauarbeit in offiziell erklärten Buschfeuer- und Katastrophengebieten. Die Liste für das 462er-Visum ist kürzer, und manches zählt dort nur im Norden. Welche Postleitzahl für welchen Job zählt, beantwortet unser 88-Tage-Check schneller als jede Tabelle von Home Affairs.
Beim Zählen stolpern die meisten. Home Affairs versteht die 88 Tage als zwei Bedingungen, nicht als eine. Die Arbeit muss sich über mindestens drei Kalendermonate erstrecken. Und innerhalb dieser Zeit brauchst du so viele Arbeitstage oder Schichten, wie eine Vollzeitkraft in diesem Job leisten würde. Das Beispiel der Behörde selbst: jemand, der von Februar bis April zwei Tage pro Woche im Weinberg arbeitet. Drei Monate, zulässige Arbeit, korrekt bezahlt, und trotzdem reicht es nicht, weil zwei Tage pro Woche keine Vollzeit sind. Du darfst die Tage über einen längeren Zeitraum und auf mehrere Arbeitgeber verteilen. Unter drei Monate zusammenpressen darfst du sie nicht.
Auf derselben Seite stehen noch zwei Regeln. Die Arbeit muss nach australischem Recht und dem passenden Award bezahlt sein. Ein unterbezahlter Job kann dich also neben dem Geld auch das zweite Jahr kosten. Und im Moment sieht Home Affairs Jobs großzügig, die eine zulässige Branche unterstützen, etwa Büro- oder Reinigungsarbeit für einen Farmbetrieb an einer passenden Postleitzahl.
Mit britischem Pass gilt das alles übrigens nicht. Wer als Brite ab dem 1. Juli 2024 ein zweites oder drittes 417er-Visum beantragt, braucht gar keine specified work.
So kommst du zur Farm
Die meisten Farmen liegen weit weg von jedem Bus, und in einem Ernteort fährt selten einer um sechs Uhr morgens. Manche Working Hostels fahren ihre Gäste zu den Farmen, frag also vor der Buchung, ob das dabei ist. Ohne Mitfahrgelegenheit brauchst du ein Auto. Für eine einzelne Saison von sechs Wochen ist Mieten oft günstiger, als ein Auto zu kaufen, das du danach in einer Kleinstadt wieder loswerden musst. Welche Region wann was erntet, steht in unserem Erntekalender.
Gesponsert von DiscoverCars. Es zeigt die großen Vermieter und die lokalen Stationen auf einem Bildschirm, und das ist der schnellste Weg, einen Mietwagen für eine Saison durchzurechnen. Wenn du über dieses Banner buchst, erhalten wir eventuell eine kleine Provision, ohne dass sich der Preis für dich ändert. Siehe unsere Affiliate-Offenlegung.
Was dein Working-Holiday-Visum erlaubt
Fast jeden Job, mit einer Grenze dafür, wie lange du bei einem Arbeitgeber bleibst.
Das 417er- und das 462er-Visum erlauben dir fast jede bezahlte Arbeit. Die Regel, die du kennen solltest, ist die Visumsauflage 8547: höchstens sechs Monate Arbeit bei ein und demselben Arbeitgeber. Sie soll dafür sorgen, dass das Visum ein Urlaub mit Arbeit bleibt und kein Job mit etwas Urlaub.
Seit dem 1. Januar 2024 sind die Ausnahmen allerdings so breit, dass viele Backpacker nie an die Grenze stoßen. Keine Erlaubnis brauchst du, um länger als sechs Monate beim selben Arbeitgeber zu bleiben, wenn die Arbeit
- Pflanzen- und Tierzucht ist, überall in Australien,
- Wiederaufbau nach Naturkatastrophen ist, überall in Australien,
- in einem der kritischen Sektoren liegt, überall in Australien: Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung, Gesundheit, Alten- und Behindertenpflege, Kinderbetreuung sowie Tourismus und Gastronomie, die Touristen direkt bedienen,
- Fischerei und Perlenzucht, Forstwirtschaft, Bau oder Bergbau ist, dann aber nur in Northern Australia,
- beim selben Arbeitgeber an einem anderen Standort stattfindet, solange kein einzelner Standort über sechs Monate kommt.
Laut Home Affairs gilt diese Regelung weiter, solange das Working-Holiday-Programm überprüft wird. Lies also nach, wie sie gerade formuliert ist, bevor du ein ganzes Jahr darauf aufbaust. Beim Tourismus ist der Wortlaut enger, als er klingt: Gemeint ist Arbeit, die Touristen direkt bedient. Für alles außerhalb der Liste kannst du Home Affairs um Erlaubnis bitten, bevor die sechs Monate um sind, und weiterarbeiten, während die Behörde entscheidet.
Die übrigen Visumsbedingungen, den Geldnachweis und den Antrag selbst erklärt unser Visa-Guide für Australien.
Der typische Weg zum Job
So läuft es für die meisten Working-Holiday-Reisenden ungefähr ab. Von der Landung bis zum ersten Gehalt vergehen selten weniger als drei Wochen.
Der letzte Schritt entscheidet über dein zweites Jahr. Ob deine Arbeit dafür zählt, prüfst du mit unserem 88-Tage-Check: Branche, Postleitzahl und Visum eingeben, statt Listen mit dem Auge durchzugehen.
Was du im Vorstellungsgespräch sagst
Einstellungsgespräche in australischer Gastronomie und Farmarbeit laufen informell. Das ist eine Chance, wenn du weißt, worauf sie hinauslaufen.
Zieh dich smart-casual an, nicht formell. Sauber und ordentlich wirkt vorbereitet. Ein kompletter Anzug im Café-Gespräch wirkt, als hättest du den Raum nicht gelesen.
Sag von dir aus, wann du kannst. Verfügbarkeit ist die erste Frage und meistens die einzige, die wirklich entscheidet. „Ich kann Wochenenden und Abende“ ist der stärkste Satz, den ein Backpacker im Gespräch sagen kann.
Lass das deutsche Notensystem aus dem Lebenslauf. Australische Manager wissen nicht, was ein Abitur mit 1,7 bedeutet. Nenn deinen höchsten Abschluss in einer Zeile und lass es dabei. Was sonst noch anders ist, erklärt unser CV-Guide für Australien und Neuseeland.
Sei offen zu Visum und 88-Tage-Plänen. Arbeitgeber in Regionalgebieten fragen ohnehin danach. Wer sagt, dass er die Tage fürs zweite Jahr sammelt, wirkt planbar, nicht flüchtig, und das spricht meistens für dich.
Frag nach Stundenlohn und Award, bevor du zusagst. Das ist in Australien keine unhöfliche Frage, sondern eine normale. Wer bei „Was zahlt ihr pro Stunde, und nach welchem Award?“ ausweicht, sagt dir damit schon das Wichtigste.
Halt es kurz und zeig Verlässlichkeit. Australische Arbeitgeber gewichten Passung und Zuverlässigkeit höher als einen langen Lebenslauf. Zeig, dass du legal arbeiten darfst, gut einzuplanen bist und nicht in drei Wochen wieder weg.
Wenn der Lohn nicht stimmt
Backpacker sind die am häufigsten unterbezahlte Gruppe auf dem australischen Arbeitsmarkt. Fast immer, weil niemand ihnen gesagt hat, was ihnen zusteht.
Die Rechte auf dieser Seite gelten für dich genauso wie für einen Australier. Das australische Arbeitsrecht unterscheidet nicht nach Pass oder Visum. Mindestlohn, Award-Satz, Casual-Aufschlag, Zuschläge und Superannuation stehen dir vom ersten Tag an zu, und keine Vereinbarung kann sie unterschreiten. Auch nicht, wenn du unterschrieben hast. Auch nicht, wenn du selbst zugestimmt hast.
Die vier Muster, an denen du Unterbezahlung erkennst, sehen alle harmlos aus:
Ein glatter Stundenlohn. „25 Dollar die Stunde, bar auf die Hand“ klingt nach viel, wenn man aus Deutschland kommt. Es liegt unter jedem Award-Satz auf dieser Seite, und am Wochenende liegt es weit darunter. Runde Zahlen sind das häufigste Warnsignal, weil Award-Sätze fast nie rund sind. Eine Stellenanzeige darf übrigens gar keinen Lohn nennen, der gegen den Award verstößt.
Keine Lohnabrechnung. Du hast Anspruch auf einen Payslip, und zwar innerhalb eines Werktags nach der Zahlung. Kein Payslip heißt fast immer: Es wird kein Super gezahlt, es wird keine Steuer abgeführt, und du hast später nichts in der Hand. Für die 88 Tage ist das fatal, weil Home Affairs genau diese Unterlagen sehen will.
Die unbezahlte Probeschicht. Erlaubt ist nur eine kurze, beaufsichtigte Demonstration deiner Fähigkeiten, etwa ein paar Kaffees zu machen. Sobald du echte Arbeit machst, also Gäste bedienst, putzt oder Regale füllst, ist es eine Schicht und muss bezahlt werden. Eine ganze unbezahlte Schicht ist kein Test. Sie ist Lohnraub.
„Du brauchst eine ABN.“ Eine Australian Business Number ist die Nummer für Selbstständige. Wird sie dir für einen Job aufgedrängt, in dem dir jemand Schichten zuteilt, Anweisungen gibt und Arbeitsmittel stellt, dann ist das mit hoher Wahrscheinlichkeit Scheinselbstständigkeit. Damit fallen Award, Zuschläge, Super und Versicherungsschutz weg, und die Steuerlast liegt bei dir.
Zwei Dinge, bei denen es nicht ums Geld geht und die trotzdem alle Alarmglocken schrillen lassen sollten. Ein Arbeitgeber darf sich deinen Pass ansehen, aber nicht behalten. Und kein Arbeitgeber kann dein Visum widerrufen, egal womit er droht. Das kann nur Home Affairs.
Ein letzter Punkt, den man ungern schreibt, der aber jedes Jahr Leute erwischt: Der schlimmste Zeitpunkt, das alles zu klären, ist der Tag, an dem du deine 88 Tage nachweisen willst. Ein Arbeitgeber ohne Lohnabrechnungen kann dir hinterher auch keine brauchbaren Belege ausstellen, und Home Affairs kann deine Arbeitgeber direkt kontaktieren. Was genau als Nachweis zählt, steht in unserem Guide zu Farmarbeit und den 88 Tagen.
Häufige Fragen
Kurze Antworten auf das, was uns zum Arbeiten in Australien am häufigsten gefragt wird.
Wie viel verdient man in Australien pro Stunde?
Der gesetzliche Mindestlohn liegt seit dem 1. Juli 2026 bei AU$26,44 pro Stunde. Weil Backpacker fast immer als Casual arbeiten, kommt ein Aufschlag von 25 Prozent dazu, was AU$33,05 ergibt. Die Branchentarife liegen darüber: Einzelhandel ab AU$34,76, Reinigung ab AU$33,85, Bau ab AU$35,55 und Altenpflege ab AU$40,76 pro Stunde. Am Samstag, Sonntag und an Feiertagen kommen Zuschläge obendrauf.
Kann ich als Deutscher in Australien arbeiten?
Ja. Mit dem Working-Holiday-Visum (Unterklasse 417) dürfen Deutsche zwischen 18 und 35 bis zu ein Jahr in Australien reisen und arbeiten, meist in befristeten Jobs oder Gelegenheitsarbeit. Die Altersgrenze wurde zum 1. Juli 2026 von 30 auf 35 angehoben. Mit 88 Tagen Regionalarbeit lässt sich ein zweites Jahr freischalten. Alle Voraussetzungen stehen in unserem Visa-Guide für Australien.
Was bedeutet Casual Work in Australien?
Casual heißt: keine garantierte Stundenzahl, kein bezahlter Urlaub, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Kündigung praktisch ohne Frist. Als Ausgleich schreibt das Arbeitsrecht 25 Prozent Aufschlag auf den Grundlohn vor, den sogenannten Casual Loading. Fast alle Working-Holiday-Jobs laufen so. Der Aufschlag ist Pflicht und steht dir ab der ersten Schicht zu, unabhängig von deinem Visum.
Wie schnell finde ich in Australien einen Job?
Die meisten Working-Holiday-Reisenden haben nach zwei bis drei Wochen ihre erste Schicht. Am schnellsten geht es, wenn du zwischen 14 und 16 Uhr mit einem ausgedruckten Lebenslauf persönlich in Cafés und Bars vorbeigehst. Online sind Seek und Indeed für alles mit Vertrag gut, Jora und der Backpacker Job Board für kurzfristige Jobs. Erntejobs listet auch Workforce Australia, die Jobbörse der Regierung.
Welche Jobs bekommt man in Australien ohne Erfahrung?
Gastronomie, Farm- und Erntearbeit, Reinigung, Einzelhandel und Hilfsjobs auf dem Bau stellen regelmäßig ohne Vorerfahrung ein. Zwei Scheine öffnen dabei die meisten Türen: eine RSA, wenn du Alkohol ausschenken willst, und eine White Card für Baustellen. Beide sind günstig und an einem Tag erledigt. Für Kinderbetreuung und Pflege brauchst du dagegen zusätzliche Prüfungen oder eine Qualifikation.
Wie viel Steuern zahlt man in Australien als Backpacker?
Auf einem 417er- oder 462er-Visum giltst du als Working Holiday Maker und zahlst 15 Prozent auf die ersten AU$45.000 im Steuerjahr, danach 30 Prozent. Einen Grundfreibetrag gibt es nicht, besteuert wird ab dem ersten Dollar. Ohne Tax File Number behält dein Arbeitgeber 45 Prozent ein, bis du sie nachreichst. Das Steuerjahr läuft vom 1. Juli bis zum 30. Juni.
Was verdient man bei der Farmarbeit in Australien?
Der Horticulture Award liegt bei AU$25,74 pro Stunde, als Casual bei AU$32,18. Das ist der niedrigste Einstiegssatz der Branchen auf dieser Seite. Viele Farmen zahlen nach Stücklohn, also pro Kiste oder pro Kilo. Der Satz muss so angesetzt sein, dass ein geübter Pflücker 15 Prozent über dem Stundenlohn verdient, und für jede gearbeitete Stunde ist dir der Stundenlohn garantiert, egal wie langsam der Tag lief.
Darf ich länger als sechs Monate beim selben Arbeitgeber arbeiten?
In der Regel nicht, das regelt die Visumsauflage 8547. Die Ausnahmen sind aber breit. Farmarbeit, Wiederaufbau nach Katastrophen und die kritischen Sektoren Landwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung, Gesundheit, Alten- und Behindertenpflege, Kinderbetreuung sowie Tourismus und Gastronomie, die Touristen direkt bedienen, sind überall in Australien ausgenommen. Für andere Jobs kannst du Home Affairs vor Ablauf der sechs Monate um Erlaubnis bitten.
Zählt Gastro-Arbeit für das zweite Visumjahr?
Nur am richtigen Ort. Tourismus und Gastronomie zählen als specified work in Northern Australia, in abgelegenen Gebieten (Remote and Very Remote Australia) und an vier einzeln gelisteten Postleitzahlen, und zwar für das 417er- wie für das 462er-Visum. Ein Café-Job in Sydney oder Melbourne zählt nicht. Prüf die genaue Postleitzahl mit unserem 88-Tage-Check, bevor du dich für dein zweites Jahr auf einen Job verlässt.
Bekomme ich in Australien Superannuation ausgezahlt?
Dein Arbeitgeber zahlt zusätzlich zum Lohn 12 Prozent in einen Rentenfonds ein, seit dem 1. Juli 2026 an jedem Zahltag statt quartalsweise. Wenn du Australien endgültig verlässt, kannst du dir das Guthaben auszahlen lassen. Bei Working-Holiday-Visa behält die Steuerbehörde davon allerdings 65 Prozent ein, von AU$3.000 kommen also rund AU$1.050 bei dir an. Der Antrag lohnt sich trotzdem.
Brauche ich für einen Job in Australien perfektes Englisch?
Nein. Schulenglisch reicht für den Einstieg. In der Gastronomie entscheidet dein Englisch eher darüber, ob du im Service oder in der Küche anfängst, nicht ob du überhaupt eingestellt wirst. Reinigung, Ernte und Küchenhilfe funktionieren auch mit wenig Englisch. Was dir schadet, ist so zu tun als hättest du verstanden. Nachfragen wird in australischen Betrieben als normal empfunden.
Was sonst noch dazugehört
Was du rund um den Job selbst erledigen solltest.
Visa-Guide Australien
417 oder 462, die Altersgrenze für deinen Pass, der Geldnachweis und der Antrag.
Budget für Australien
Was die ersten Wochen kosten, bevor die erste Lohnabrechnung kommt.
TFN und IRD-Nummer
Die Nummer, ohne die 45 Prozent deines ersten Lohns beim Finanzamt landen.
Super und Steuerrückerstattung
Wie du deine Superannuation bei der Ausreise zurückholst und was nach 65 Prozent Steuer übrig bleibt.
Lebenslauf-Vorlage
Ein kostenloser Work-and-Travel-Lebenslauf in dem Format, das australische Arbeitgeber erwarten.
88-Tage-Check
Job und Postleitzahl eingeben und sehen, ob die Arbeit fürs zweite Jahr zählt.
Jobs nach Stadt
Wie die Szene in einer bestimmten Stadt wirklich aussieht: Löhne, wo du suchst, was das Wohnen kostet.
| Jobart | Üblicher Stundenlohn | Stunden pro Woche | Beste Monate | Zählt für die 88 Tage |
|---|---|---|---|---|
| Gastro- und Barjobs | AU$26–34 | 20–40 | Nov–Mär | Nein |
| Farmarbeit und Ernte | AU$24–30 | 30–50 | Jan–Mai | Ja |
| Bau- und Hilfsarbeiterjobs | AU$30–40 | 30–45 | Jan–Mär, Sep–Nov | Ja |
| Jobs im Einzelhandel | AU$25–30 | 15–38 | Okt–Jan | Nein |
Casual-Sätze inklusive Zuschlag, vor Steuern. Was du bekommst, hängt von deinem Award ab.
Gastro-Jobs in Sydney
Der größte Gastro-Markt des Landes, von Strandbars bis zu den Küchen im Inner West.
Gastro-Jobs in Melbourne
Die Kaffeehauptstadt Australiens. Wo du suchst, echte Löhne und Mieten nach Viertel.
Farmarbeit rund um Cairns
Ernte auf den Tablelands und in Tully, und wie du dort deine 88 Tage sammelst.
Du wägst noch Städte ab? Probier unser kurzes Quiz: Welche Stadt in Australien passt zu dir?